Helios Klinikum Berlin-Buch Cafeteria Gespräch

By prenzlmaler

Genüsslich verzehre ich mein Stück Käsekuchen. Heute, am 4. März 2008, gibt es eine meteorologische Besonderheit: es schneit in Berlin. Die Laune hebt sich und ich schaue wie mit Kinderaugen den tanzenden Flocken zu. Eine ältere Dame kommt an meinen Tisch.

“Ist bei Ihnen noch frei ?”
“Ja, bitte.”
“Ohne Eisbecher ist mein Tag nur ein halber.”
“Lassen Sie es sich munden. Ihr Eisbecher passt zum Schneetreiben.”
“Oh, tatsächlich, es schneit, noch gar nicht bemerkt. Sie essen lieber Kuchen ?”
“Ja, Eis ist nicht unbedingt meine Geschmackswelt. Aber wohl bekomm’s !”
“Sie schauen mit glänzenden Augen dem Flockenwirbel zu.”
“Wissen Sie, ich bin Maler, da interessiert so manches.”
“Sind Sie Kunstmaler ?”
“Ja.”
“Ich male auch. Unsere gesamte Familie hat die Malerei im Blut. Alle interessieren sich für Kunst, doch nur ich male.”
“Haben Sie ein Vorbild ? Sagt Ihnen ein Maler besonders zu ?”
“Ja, mein Großvater, der war in unserer Gegend ein bekannter Maler.”
“Wie heißt er denn ?”
“Sein Name fällt mir momentan nicht ein, aber er konnte herrlich malen.”
“Was malen Sie denn für Motive ?”

“Ich male hauptsächlich Landschaften. Alles in Öl auf Leinwand. Die meisten meiner Bilder sind 40 x 40. Vorher hatte man keine Zeit, doch im Alter habe ich mich wieder der Malerei angenommen. Zunächst interessierte sich keiner für meine Gemälde. Aber mit der Zeit sahen die meine Bilder immer interessierter an und staunten, wie ich das hinkriege. Öl auf Leinwand ist edel. Auf einem Bild malte ich braune Wolken, verstehn Sie, braune Wolken. Meine Schwester meinte, die gäbe es gar nicht, doch ich habe die Wolken so gesehn. Habe alles ohne jede Vorzeichnung gemalt, es kommt bei mir von innen raus. Als ich mal Besuch zum Geburtstag bekam, waren alle von meinen Aquarellen hell begeistert. Die eine Landschaft, wo nur ein kleiner Wassergraben zu sehen ist, an dem zwei Birken stehn, die solltem Sie mal sehen. Ein herrliches Aquarell. Und die Birken erst. Alles ganz wie echt.”

“Kennen sie den Maler Walter Leistikow ?”

“Nein, kenne ich nicht. Ich habe mal eine ganz flache Landschaft gemalt. Eine Ebene. Nur Acker und ein Feldweg. Oh, das Aquarell war vielleicht schön. Wissen Sie, bei uns in Buch gibt es drei Teiche, drei Seen, und die sind so bezaubernd, dass man nie verreisen muss. Wir haben so eine fantastische Natur, dass man sich Reisen sparen kann. Das Wasser steigt immer höher. In einem Abschnitt reicht es schon bis zur Chaussee. Irgendwann muss ich mal so eine Wasserlandschaft malen. Aber wenn das Wasser bis an die Straße reicht, wo soll ich da malen ? Ich kann mich doch nicht auf die Fahrbahn setzen. Da male ich lieber meine Flamingos. Das ist das erste Bild mit einer Bleistiftvorzeichnung. Diese Flamingos sehen ganz natürlich aus. Erst habe ich das Bild gar nicht begriffen, weil einer der Vögel andersrum stand. Aber mein Sohn hat mir das Foto erklärt und so konnte ich die Flamingos besser ins Bild bringen. Das Aquarell ist noch nicht ganz fertig. Wenn die großen Vögel mir nicht gelingen, werde ich Enten malen. Die Schwäne haben eben ihren Reiz.”

“Mein Bus kommt. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag !”

LG Dieter Raedel.

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