Massensturz in Kalkreuth bei Großenhain Zote

By prenzlmaler

In meiner Jugend war die Faszination Radsport allgegenwärtig. Radsport war etwas ganz Besonderes, vielleicht vergleichbar mit dem Interesse der Deutschen für die heutigen Biathleten, von denen ich ebenfalls sehr angetan bin. In der DDR wohnend, gab es eine Zeit, wo sogar die Omis und Opis von den Übertragungen der Friedensfahrt mit der Stimme von Heinz Florian Oertel total aus dem Häuschen waren. Die Radioberichterstattung war einfach große Klasse und wir lauerten gespannt auf die Zwischenberichte einer Etappe, konnten die Friedensfahrt-Hymne nicht erwarten und fieberten um die Platzierungen unserer Fahrer, an der Sitze der unvergessliche Gustav Adolf Schur, der bekanntlich zweimal die Friedensfahrt gewann und einmal WM-Gold holte. Damals schrien wir Jugendlichen vor Begeisterung laut „Täve ! Täve !! Täve !!!“ Eine herrliche Zeit. An dieser Stelle möchte ich dem Super-Sportreporter Heinz Florian Oertel ganz herzlich danken. Ich habe nie wieder in Deutschland bei den Sportreportagen eine derart gepflegte Stimme gehört !!!

Da ich kein Rennrad hatte, veranstaltete ich in meinem Heimatort Ohorn bereits als Kind die seltsamsten Rennen mit dem Fahrrad meiner Mutter. Einmal kam ich vom Rathaus den kleinen Berg Richtung Mittelschänke runter, kriegte die Rechtskurve nicht und prallte gegen eine Kuh. Der Kutscher schimpfte, doch ich war froh, nicht seine Peitsche über den Pelz bekommen zu haben. Lasse ich in Gedanken diesen kleinen Unfall Revue passieren, spüre ich noch heute den sanften Aufprall an den warmen Tierkörper.

Die Radsportbegeisterung sollte sich als Sechzehnjähriger in Kalkreuth bei Großenhain fortsetzen. Wir fühlten uns mit unseren Drahteseln den großen Radsportlern verbunden und waren auch die Helden der Mädchen gegenüber anderen Jugendlichen, die sich nicht mit dem Rennsport befassten. Für mich kam die Sache gelegen, ein bisschen im Mittelpunkt der Mädchen zu stehn. Als schmaler Typ hatte ich sonst keine Chancen, von meiner Musikalität mal abgesehn. Fuhr ich mit „Conny“ und „Pfuhle“, war mir stets der zweite Platz sicher, da ich stets im Windschatten von „Pfuhle“ fuhr und mich vor dem Ziel unverschämterweise absetzte. Conny war wie gewohnt Sieger.

Einmal gab es einen Massensturz, das heißt, wie drei Übermütigen wollten links in das Dorf reinfahren, doch da kam uns ein Mähdrescher entgegen. Ausweichen war schwer möglich. Nun gab es da noch den Eingang zum Volksgut, wo Tiere gezüchtet wurden. Es ging alles sehr schnell. Pfuhle landete als Zweiter in den Sträuchern am Eingang, ich als Letzter auf einem Kartoffelhaufen und unser Radsport-As Conny überquerte den Kartoffelhaufen und knallte mit voller Wucht in die Misthaufenbrühe in der Nähe der dortigen Schweineställe. Bei der Rennauswertung der Mädchen hatte ich an diesem Tag erstmals gute Karten, denn Conny stank im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Die Mitstreiter von damals: Konrad Damm und Roland Pfuhlmann.

LG Dieter Raedel.

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